Erfolg hat drei Buchstaben: TUN – wirklich, immer?

Wenn Du mich schon ein bisschen kennst, weißt Du, dass dieses Zitat von Goethe eines meiner Lieblingszitate ist. Dennoch möchte ich es heute mit Dir gerne mal in Frage stellen.

Während unseres letzten Urlaubs auf unserem Lieblingsfleckchen Erde hatten wir die Gelegenheit, an zwei Yoga Sessions der wunderbaren Phoebe Joel teilzunehmen (www.tibetansoundhealing.com).

Schlafen schlägt jede Aktivität um Längen

Warum erzähle ich Dir das? Ganz anders als bei all meinen bisherigen Yoga- und Meditationsversuchen, praktiziert Phoebe eine besondere Form von Yin Yoga mit Klangschalen, bei der es im Wesentlichen darum geht, sich möglichst wohl dabei zu fühlen und den höchstmöglichen Grad an Entspannung von Muskeln und Geist zu erreichen. Eine halbe Stunde dieser Entspannung schenkt Körper und Geist den Gegenwert von 4 Stunden bestem, erholsamsten Schlaf.

Unsere Körper sind so konstruiert, dass sie während eines erholsamen Schlafes ein vollständiges Reparatur- und Instandhaltungsprogramm ausführen. Nichts, was wir aktiv tun können, ist damit vergleichbar.

Je mehr und besser wir schlafen, desto gesünder und leistungsfähiger sind wir. Und das erreichen wir eben genau nicht durch aktives Tun, sondern indem wir bewusst darauf verzichten.

Dieses Prinzip lässt sich auf unendlich viele Bereiche unseres Lebens übertragen.

Das Gras wächst nicht schneller, wenn Du daran ziehst

Es hat eine halbe Ewigkeit gedauert, bis ich diese Wahrheit verstanden habe und vor allem, bis ich bereit war, sie zu akzeptieren. Zu lernen, still zu halten und nicht zu ziehen, zu schieben oder zu drehen, war einer der schwierigsten Schritte in meiner Entwicklung.

Immer, wenn in meinem Unternehmen etwas nicht so lief, wie ich es mir vorstellte, verfiel ich in hektischen Aktionismus, machte irgendetwas anders, entwickelte auf die Schnelle neue Geschäftsideen und Ansätze, drehte hier an der einer Schraube, setzte dort einen Hebel an und tat vor allem „mehr“ von … egal was. Meistens war das allerdings einfach nur anstrengend und das Ergebnis bestenfalls frustrierend.

Geduld ist nicht mein zweiter Vorname. Entwicklungen ruhig und weitgehend passiv zu beobachten fällt mir unendlich schwer. Ich bin ein „Ärmelhochkrempler“, ich löse Probleme durch Anpacken. Das ist in vielen Situationen eine sehr gute und nützliche Eigenschaft, in anderen allerdings mehr als kontraproduktiv.

Die Natur macht es uns – wieder einmal – perfekt vor. Wenn wir etwas aussäen, dürfen wir gerne die Saat pflegen, den Boden vor ungünstigen Einflüssen schützen und gelegentlich auch ein wenig düngen. Ständig an der Frucht zu ziehen oder an Wurzeln und Blättern herumzufummeln gefährdet unsere Ernte oder ruiniert sie sogar.

Das gilt genauso für unsere Unternehmensentwicklung. Auch hier finden Wachstums-, Entwicklungs- und Reifeprozesse statt, die – genau wie die Natur oder unsere Körper – für ein optimales Ergebnis vor allem eines brauchen: Ruhe.

Mehr Erfolg durch gezieltes Nicht-Tun

Es ist so viel einfacher für uns, zu denken, es fehlt etwas, wenn ein Ergebnis nicht unseren Vorstellungen entspricht.

„Nicht genug“ ist das Muster, das wir alle mit am tiefsten verinnerlicht haben. Nicht genug … getan, erreicht, unternommen, investiert, gearbeitet, genetzwerkt, geworben, optimiert, gekämpft, geschoben, gezogen … was auch immer. Auf jeden Fall nicht genug.

Ich möchte heute mit Dir eine andere Perspektive einnehmen. Die des: was ist vielleicht zu viel?

Rufe Dir bitte kurz ins Gedächtnis, womit Du zuletzt im Ergebnis unzufrieden warst. Jetzt lasse einfach alles vor Deinem inneren Auge Revue passieren, was Du für den Erfolg dieses Projektes getan hast.

Am besten schreibst Du Dir selbst einen kleinen Brief, so, als würdest Du nach einer Enttäuschung Deinem besten Freund Dein Herz ausschütten. Zähle alles auf, lass keinen noch so winzigen Einsatz aus, den Du für den Erfolg dieses Projektes gebracht hast. Und lass gerne auch Deinen Emotionen, wie Ärger und Enttäuschung freien Lauf.

Wenn Du alles vor Dir ausgebreitet hast hast, falte den Brief zusammen und nimm Dir einen Moment Zeit, um etwas Abstand zu gewinnen. Vergiss möglichst, was Du gerade geschrieben hast und tu für mindestens eine halbe Stunde etwas völlig anderes. Etwas, das Dich ablenkt und beschäftigt.

Wenn Du soweit bist und Dein Kopf wieder frei von all diesen Emotionen ist, nimm Dir noch mal ein paar Minuten Zeit und öffne Deinen Brief.

Diesmal bitte ich Dich mit den Augen eines Mentors und guten Freundes darauf zu schauen, was Dein Freund alles getan und eingesetzt hat, um anhand dieser Erkenntnisse mit ihm (Dir selbst) das nächste Projekt zu planen. Was war erfolgreich, was hat sich eher nicht gelohnt. Was darf beim nächsten Anlauf bleiben und vielleicht sogar verstärkt werden, was fliegt nächstes Mal aus dem Repertoire, weil Unruhe und Anstrengungen in keinem Verhältnis zum Erfolg stehen?

Mach Dir heute zum Ziel, mindestens zwei Drittel deines „aktiven Tuns“ für das nächste Mal zu streichen. Und nur, damit wir uns richtig verstehen: ich meine damit nicht, diese Aktivitäten durch andere zu ersetzen 😉

Übrigens: es fällt uns psychologisch leichter, Dinge hinzuzufügen, statt sie zu streichen. Falls Du also merkst, dass Du beim Streichen von Aktionen oder Investitionen große innere Widerstände erfährst, versuch es einfach mal anders herum: Wenn Du nur eine einzige Aktivität für Deinen nächsten Erfolg auswählen dürftest, welche wäre das?

Damit hast Du Dein Aktivitäts-Minimum erreicht und darfst nun noch ein wenig hinzufügen, statt etwas zu streichen. Das ist viel einfacher, nicht wahr? Pass nur gut auf, dass sich keine „blinden Passagiere“ wieder mit an Bord schummeln 🙂

Manchmal besteht das Geheimnis Deines Erfolgs nicht darin, was Du alles tust, sondern darin, worauf Du ganz bewusst verzichtest.

Wenn Du die Übung oben jetzt nicht gleich gemacht hast, dann notiere Dir bitte dennoch schnell ein paar Stichpunkte dazu, was Dir beim Lesen durch den Kopf gegangen ist. Oft bekommen wir, ganz nebenbei, von unserem Unterbewusstsein die besten Tipps. Daran kannst Du beim nächsten Nachdenken direkt anknüpfen und mit einem Ausgangspunkt geht dann alles viel leichter. 😉

Wie denkst Du über das Weglassen, das Nicht-Tun? Habe ich etwas vergessen? Hast Du noch zusätzliche Gedanken und Ideen dazu? Dann schreibe sie mir (und den anderen Lesern) doch gerne unten in die Kommentare! Erfolg ist ein Gesellschaftsspiel 😉

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Liebe Grüße und auf Deinen Erfolg!

Deine Benita

6 Kommentare zu “Erfolg hat drei Buchstaben: TUN – wirklich, immer?”

  1. David Goebel

    Hallo Benita,

    im Chinesischen gibt es das „Wu-Wei“, die Kunst des Handelns durchs Nicht-Handeln. Dabei unterlässt man die Handlungen, die den natürlichen weiteren Verlauf behindern.

    Ziemlich ähnlich ist das mexikanische „manjana“, bei dem du Unwichtiges auf Morgen verschiebst. Endlich Prokrastination mal sinnvoll eingesetzt.

    Auf meinem Schreibtisch steht eine handgeschrieben Karte mit der Frage „Was bringt mich heute wirklich voran?“. Diese EINE Antwort bringt mir mehr Ergebnis als 1000 Aktionen am Tag.

    SinnSTIFTende Grüße,
    David

  2. Sabine

    Guten Tag Frau Benita Königbauer,

    sie schreiben:
    „Je mehr und besser wir schlafen, desto gesünder und leistungsfähiger sind wir. Und das erreichen wir eben genau nicht durch aktives Tun, sondern indem wir bewusst darauf verzichten.“

    Können Sie diese Behauptung belegen?

    Ich widerspreche Ihnen nämlich! Bei Schlaf gilt nicht „Viel hilft viel“. Wie immer gilt der Grundsatz „Die Dosis macht das Gift“ und ein gesundes Mittelmaß an Schlaf sind besser als zu wenig oder zu viel Schlaf.
    Vergleich:
    https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article2604250/Warum-zu-viel-Schlaf-muede-macht.html
    https://www.merkur.de/leben/gesundheit/macht-zu-viel-schlaf-muede-zr-5921292.html

    1. Benita Königbauer

      Liebe Sabine, vielen Dank für den Hinweis und den Link, da bin ich natürlich grundsätzlich ganz bei Ihnen, zu viel – egal wovon – ist normalerweise keine gute Idee.
      Mein Blogartikel erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern möchte insbesondere Unternehmer sensibilisieren, ihren Pausen, Ruhephasen und dem „Nicht-Tun“ mehr Stellenwert einzuräumen, als es die meisten von uns im Alltag gewöhnlich tun. Ich kann mich natürlich irren, dennoch mutmaße ich mal forsch, dass die wenigsten von uns aktuell Gefahr laufen, zu viel zu schlafen Trotzdem, Danke für Ihren Hinweis

      1. Sabine

        Hallo Benita, danke für Deine schnelle Antwort. Bitte entschuldige, dass ich meinen ersten Kommentar etwas harsch formuliert habe.
        Vermutlich hast du recht, dass viele von uns im Alltag eher mehr schlafen sollten als weniger.
        Liebe Grüße, Sabine

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