Gewinn – wozu eigentlich?

Das erste Profit First Sommercamp ist zu Ende und ich kann nur sagen: es war eine sensationelle Erfahrung! Nicht nur – wie ich hoffe – für die 30 großartigen Unternehmer*innen, die sich ihren unternehmerischen Realitäten gestellt und die Zügel wieder fest in die Hand genommen haben, sondern auch für mich. Wie immer, wenn ich Profit First mit einem Kunden aufbaue, lerne ich ungeheuer viel dazu.

Dieses mal kam eine ganz spannende Frage auf:

Wozu brauchen wir eigentlich Gewinn im Unternehmen?

Reicht es denn nicht, wenn genügend Geld hereinkommt, um alle Rechnungen zu bezahlen? Könnte man meinen. Zumindest wäre der aktuelle Geldkreislauf im Fluss. Was aber würde passieren, wenn bei diesem Kreislauf einmal Sand ins Getriebe käme?

Dein Gewinn ist das Lebenselixier Deines Unternehmens. Lass mich das anhand eines Beispiels erklären: Stell Dir eine gesunde Blume vor. Sie hat alles, was sie zum Leben braucht und wächst und gedeiht und macht Dir viel Freude. Wenn Du nun aufhörst, sie zu wässern, ist es völlig egal, ob Du mit ihr sprichst, ihr Licht gibst, ein Düngerstäbchen hineinsteckst oder sonst irgendwelche Turnübungen machst. Ohne Wasser wird deine Blume nicht überleben. Bei Deinem Unternehmen ist das genauso. Ohne Gewinn hat das Unternehmen keine Existenzgrundlage und kein Wachstumspotenzial. Es wird seinen Sinn nicht erfüllen können und nach einer Zeit eingehen, wie die Blume, die Du nicht wässerst.

Im letzten Blogartikel „… kreativ wie „Tube leer“? Herzlichen Glückwunsch!“ ging es um den Parkinson-Effekt. Kurz aufgefrischt: das ist der Effekt, der dafür sorgt, dass wir immer dazu neigen, die gesamten vorhandenen Ressourcen auszuschöpfen. Sich selbst überlassen, werden unsere Ressourcen ganz einfach in dem ersten besten Loch verschwinden, das sich auftut.

Wenn nun der Gewinn das Lebenselixier Deines Unternehmens ist, sollte ihm dann nicht die oberste Priorität in Deinem Kopf zustehen? Damit meine ich nicht, dass wir die anderen Bereiche nicht genauso erfüllen dürfen, aber wenn Du Deinen Erfolg bewusst steuern willst, dann erfüllst Du sie lieber in der Reihenfolge ihrer Bedeutung für Dein Unternehmen und Dich.

Was ist denn eigentlich der „Gewinn“?

Als erstes schadet es schon mal nicht, uns klar zu machen, dass wir als Unternehmer immer zwei Einnahmequellen haben. Das sagt uns nämlich keiner. Am wenigsten das „Paradestück“ des unternehmerischen Reportings, die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA). Wenn ich nur jedes Mal einen Euro bekäme, wenn ich eine BWA sehe, in der der Unternehmerlohn fehlt (und nur jedes Mal einen zurückgeben müsste, wenn er berücksichtigt ist), hätte ich ausgesorgt. In unserer Buchhaltung wird nämlich alles zusammengeworfen, was keine Betriebsausgaben sind. Da tummelt sich dann – pikanterweise in der allerletzten Zeile – munter dein gesamter Lebensunterhalt gemeinsam mit Deinen Steuern und Deinem Gewinn – oder Verlust – wer weiß das schon so genau, wenn alles eine einzige amorphe Masse ist? Das kannst Du nicht mal greifen – wie willst Du es dann steuern?

Der Unternehmerlohn honoriert unsere tägliche Arbeitsleistung im Unternehmen (wie wir es einem fremden Dritten auch zahlen müssten, der unsere Arbeit für uns erledigt) und der Gewinn entlohnt uns dafür, dass wir über unsere Arbeitsleistung hinaus unser Kapital einsetzen und unternehmerisches Risiko tragen. Auch diese Leistung gehört honoriert, denn sonst könntest Du ja ebensogut angestellt sein 

Hast Du auch schon mal die letzte Zeile Deiner BWA angeschaut und Dich gefreut, weil da ein „Gewinn“, also eine schwarze Zahl steht? Und dann nicht weiter gedacht? Mach Dir nichts draus, geht uns allen so. Ist aber einigermaßen gefährlich, denn wenn Du „zufrieden“ bist, hinterfragst Du nicht und unternimmst auch nichts.

Wenn dort zum Beispiel „Gewinn 25.000€“ steht, denken die meisten von uns: Ha, super! Ist es aber nicht, denn was da steht ist mitnichten Dein Gewinn. Ein schneller Blick auf die „höheren Lagen“ eröffnet Dir als Einzelunternehmer und Freiberufler nämlich, dass Dein Lebensunterhalt da noch gar nicht abgezogen ist (GmbHs haben’s da etwas besser).

Mal angenommen, für Deine gesamte Arbeit im Unternehmen müsstest Du einem fremden Dritten 30.000€ bezahlen (ja, ich weiß, das ist ein Witz, aber nehmen wir mal an, es gäbe jemanden, der so sparsam und genügsam ist, wie Du), dann bleiben von Deinen hübschen 25.000€ noch? Äh, nichts. Sogar weniger als nichts. Genauer gesagt: minus 5.000€.

Und weil ich schon dabei bin, Dich so unsanft zu desillusionieren, verrate ich Dir noch, dass das Finanzamt von Deiner schönen letzten Zeile auch noch einen Anteil haben möchte. Lass das über den Daumen einfach mal 2.000€ sein.

Dämmert Dir gerade, warum immer zu wenig Geld da ist, obwohl Du doch so einen hübschen „Gewinn“ machst?

Das sagt einem nur keiner. Und im schlimmsten Fall denkst Du dann, es liegt an Dir und Du kannst nicht mit Geld umgehen. Das ist blanker Unsinn! Wenn einer mit Geld umgehen kann, dann Du. Denn Du überlebst dieses Szenario Tag für Tag und Jahr für Jahr! Stell Dir vor, was Du aus diesem Talent machen könntest, wenn Du ein System hättest, mit dem Du diese „amorphe Masse Gewinn“ in den Griff bekommst? ( ich hätte da übrigens eins für Dich, nennt sich „Profit First :) )

Aber was machst Du dann mit dem „Gewinn“?

Um damit gleich mal aufzuräumen: Gewinn ist kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, auf irgendeinem Konto – oder in einem Dagobert Duck Keller – Euros anzusammeln und sie dann freudestrahlend mit der Schaufel umzugraben.

Dein Gewinn hat ganz handfeste Funkionen in Deinem Unternehmen und Deinem Leben.

Als erstes füllst Du damit Deine „Schatztruhe“ auf. Das ist die Notfallreserve, die Du brauchst, wenn der Himmel auf Dich herunterfällt, sprich, wenn plötzlich keine Einnahmen mehr hereinkämen. Wenn das geschieht, wirst Du mindestens 3, besser 6 Monate Zeit brauchen, um Dich in Ruhe neu sortieren zu können. In dieser Zeit brauchst Du all Deine Kreativität und Konzentration, um Dir zu überlegen, wie es für Dich, Dein Unternehmen und Deine Mitarbeiter weitergeht. In dieser Phase ist es völlig kontraproduktiv, in hektischen Aktionismus zu verfallen, nur weil Du nicht ausreichend vorgesorgt hast. Damit meine ich z.B. aus Geldnot qualifizierte Mitarbeiter zu entlassen oder Räume aufzugeben, die Du wenige Monate später dringend wieder brauchst. Du willst in Ruhe und ohne finanziellen Druck nachdenken können, denn nur so kommst Du zu klugen und nachhaltigen Entscheidungen.

Wenn die Schatztruhe gefüllt ist, finanzierst Du aus Deinen weiteren Gewinnen Dein zukünftiges Wachstum. Das kann zum Beispiel ein Mitarbeiter sein, der direkt nach seiner Einstellung ja noch nicht voll produktiv ist, aber trotzdem ein volles Gehalt bekommt. Oder ein neues Geschäftsfeld, das Du aufbauen möchtest und das ein wenig Zeit braucht, bis es sich für Dich rechnet. Vielleicht möchtest Du Dir eine Auszeit nehmen, ein Retreat buchen oder etwas ähnliches, während dem Du Deine unternehmerische Aktivität überarbeitest. Wachstum kann auf viele Arten geschehen, aber im Unternehmensumfeld brauchst Du gewöhnlich Geld dazu. Und das steht Dir immer dann zur Verfügung, wenn aus dem sonstigen operativen Geschäft etwas übrig bleibt, das Du dafür einsetzen kannst – sprich kumulierte Gewinne.

Es geht also nicht darum, einfach nur Geld zu sammeln und irgendwo zu horten, sondern darum, diesem Geld einen Sinn, eine Aufgabe, einen Nutzen zu geben, der Deinen Werten entspricht und es für Dich wirken zu lassen. Das ist Gewinn, zumindest im Sinne von Profit First 

Übrigens: Gewinn, der aus dem Unternehmen kommt, darf auch in Deinen eigenen privaten Vermögensaufbau gehen. So auch in Deine Altersvorsorge, um die wir Unternehmer uns schließlich selbst kümmern müssen.

Ich werde nie die Freundin meiner Mutter vergessen, die ich als Kind kennen gelernt habe. Sie arbeitete mit über 70 Jahren noch in ihrem Handwerks- und Ladengeschäft. Sie hatte Schmerzen, war müde und hatte längst keine Lust mehr, aber aufhören war einfach keine Option. Dieses Bild bin ich nie los geworden. Auch deshalb kämpfe ich so leidenschaftlich dafür, dass gerade Unternehmer mit kleinen Unternehmen finanziell erfolgreich sind.

Was machst Du nun daraus?

Dein Unternehmen muss insgesamt für alles aufkommen, was seinen und Deinen Lebensunterhalt heute und in der Zukunft betrifft, sonst verfehlt es seine Aufgabe. Das kann sich in einem entsprechend hohen Unternehmerlohn niederschlagen oder darin, dass diese Kosten direkt vom Betriebskonto bezahlt werden. Steuerlich oder buchhalterisch ist das natürlich eine andere Sache, da muss natürlich genau hingeschaut werden, wo diese Beträge dann tatsächlich hingehören. Aber liquiditätsmäßig werden sie in jedem Fall durch Dein Unternehmen aufgebracht. Auf die eine oder andere Weise 

Schafft Deine BWA schon Klarheit für Dich darüber, was Dein Unternehmerlohn und was Dein Gewinn (nach Steuern) ist? Wenn nicht, welche Maßnahmen möchtest Du heute ergreifen, damit Du diese Informationen jederzeit zur Hand hast?

Hast Du schon eine Schatztruhe? Welche Summe brauchst Du, um im Notfall drei bis sechs Monate sorgenfrei nachdenken und auch noch neue Weichen stellen zu können?

Welche Gewinnquote erwartest Du von Deinem Unternehmen? Wie stellst Du sicher, dass Dein Unternehmen sie erwirtschaftet und wie sicherst Du sie?

Ohne Gewinn ist Dein Unternehmen nicht Deine Lebensgrundlage, sondern Dein Pflegefall. Ich wünsche mir, dass diese Gedanken Dir helfen, Dein Unternehmen fit zu machen, so dass Du auf dieser gesunden Basis nachhaltig wachsen kannst. .

Habe ich etwas vergessen? Hast Du noch zusätzliche Gedanken und Ideen dazu? Dann schreibe sie mir (und den anderen Lesern) doch gerne unten in die Kommentare! Erfolg ist ein Gesellschaftsspiel ;)

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Übrigens: im September startet das nächste Profit First Camp – wenn Du dabei sein willst, besuche mich auf Facebook, dort erfährst Du als Erstes, wann es losgeht :)

Liebe Grüße und auf Deinen Erfolg!

Deine Benita